25 Jahre nach Tschernobyl: Mehrfacher Super-GAU in Fukushima erreicht bereits gleiche Größenordnung

Kernkraftwerke ohne Containment haben im europäischen Netz nichts verloren – Ausbau des AKW Mochovce umgehend stoppen.

(22. April 2011) Genau 25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe ist die Welt mit einem Super-GAU der gleichen Größenordnung im japanischen Fukushima konfrontiert. Dies ist jedoch nur eine Zwischenbilanz, da die Lage in Fukushima noch immer nicht unter Kontrolle ist und nach wie vor große Mengen an radioaktiven Stoffen entweichen. Angesichts der Mengen an radioaktiven Substanzen in den drei betroffenen Reaktoren sowie in den vier von Problemen betroffenen Abklingbecken können noch wesentlich schlimmere Auswirkungen als in Tschernobyl nicht ausgeschlossen werden. Es handelt sich um einen mehrfachen Super-GAU in drei Reaktorblöcken, von denen jeder für sich die Bewertung 7 auf der INES-Skala verdient. In 25 Jahren sind wir also mit 4 Kernschmelzunfällen mit großen Freisetzungen konfrontiert. Diese Entwicklung steht im krassen Widerspruch zu den Angaben der Atomlobby, welche von Wahrscheinlichkeiten solcher Ereignisse von 1 zu 1 Million oder weniger ausgehen. „Das sogenannte Restrisiko des AKW-Betriebs wurde offensichtlich stark unterschätzt“, erklärt Radko Pavlovec, unabhängiger Energieexperte. „Die Bewertung der Atomtechnologie muss nach den Ereignissen in Fukushima dramatisch verändert werden. Vor allem bei veralteten Reaktoren ohne Containment muss es eine Nulltoleranz im Bezug auf den Weiterbetrieb geben“.

 Die Abschaltung von sieben veralteten Reaktoren in Deutschland bringt eine große Verbesserung der nuklearen Sicherheit für Österreich und ist für Europa beispielgebend. Nun muss die Aufmerksamkeit auf alle veralteten Reaktoren gerichtet werden, welche über kein vollständiges Containment (druckfeste Schutzhülle) verfügen. Anhand der japanischen Erfahrungen ist klar zu sehen, dass die lediglich mit Druckabbausystemen ausgestatteten Reaktoren in Unfallsituationen versagen. Das größte aktuelle Problem stellt derzeit die Errichtung von zwei Blöcken im slowakischen Mochovce dar. Diese Blöcke weisen wie die von Unfällen betroffenen japanischen Reaktoren ein Sicherheitsniveau des Jahres 1970 auf, verfügen über kein Volldruckcontainment und liegen noch dazu in einem erdbebengefährdeten Gebiet. „Österreich verfügt über mehrere Möglichkeiten, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Slowakei zu eröffnen“, erklärt Radko Pavlovec. „Nachdem auch die EU-Kommission eine Klärung der Containmentfrage verlangt, muss die Bundesregierung auf EU-Ebene umgehend aktiv werden und das Aus für dieses völlig inakzeptable Projekt bewirken“, fordert Pavlovec.

Handlungsbedarf ist auch bei anderen grenznahen Anlagen dieses Typs in unserer Nachbarschaft gegeben. Im ungarischen Paks, im tschechischen Dukovany und auf den slowakischen Standorten Bohunice und Mochovce werden Reaktoren ohne Volldruckcontainment betrieben. Es werden Betriebsverlängerungen ohne UVP-Verfahren angestrebt, obwohl viele Komponenten von der Materialalterung schwer betroffen sind. Dies muss ebenfalls umgehend unterbunden werden und konkrete Schließungzeitpunkte vereinbart werden. „Reaktoren ohne Volldruckcontainment haben in europäischen Netz nichts mehr verloren“, so Pavlovec abschließend.

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