Kältewelle deckt gravierende Schwächen der AKW-dominierten Stromversorgung in Frankreich auf

Die „Atomsupermacht“ muss große Strommengen aus Deutschland importieren

Nach dem deutschen Ausstieg-Beschluss hagelte es aus Frankreich Kritik. Nach einigen Tagen sibirischer Kälte ist nun die Atommacht auf massive Importe aus Deutschland angewiesen. Das im Ausstieg befindliche Land stützt seinen Nachbarn mit gewaltigen Strommengen – trotz der bereits erfolgten Abschaltung der gefährlichsten AKW´s als Folge der Fukushima-Katastrophe.

Die Ursache dieser Entwicklung liegt nicht, wie man erwarten könnte, in großen Ausfällen im französischen Kraftwerkpark, sondern ist die Folge einer völlig verfehlten Energiepolitik. Der Anteil der AKW´s an der Stromproduktion erreicht in Frankreich mehr als 75%. Da Atomkraftwerke de facto nicht regulierbar sind, ist dieses System sehr unflexibel und kann auf rasche Bedarfsschwankungen nicht entsprechend reagieren. Um die Auslastung der AKW´s auch in den Nachtstunden zu garantieren, wurden massiv elektrische Nachtspeicherheizungen installiert. Sie wurden den Kunden mit günstigen Tarifen schmackhaft gemacht. Da dies gut funktionierte, ging man auch zur Installation von elektrischen Direktheizungen über. So konnte man den Stromverbrauch rasch in die Höhe Treiben und Druck auf die Errichtung von immer weiteren AKW´s aufbauen.

Als Folge dieser auf die Interessen des dominanten (Atom)stromproduzenten EdF abgestimmten Energiepolitik übersteigt der Anteil von Elektroheizungen bereits ein Drittel. Dieser Trend verstärkt sich sogar noch, da in (schlecht gedämmten) Neubauten nur mehr fast ausschließlich Elektro-Direktheizungen installiert werden. Sie sind in der Anschaffung billig, mit den enormen Stromkosten werden die Mieter dann alleine gelassen.

Das Resultat ist ein sehr stark temperaturabhängiges System, bei tiefen Temperaturen können nur mehr Stromimporte helfen. Vor einigen Tagen überstieg die Leistung der Verbraucher erstmals die unvorstellbare Grenze von 100.000 Megawatt. Sogar EdF appelliert bereits an die Kunden, weniger zu heizen.

Die E-Heizung stellt nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen Ländern ein gravierendes Problem dar. Enorme Mengen der wertvollsten Energieform werden für die Erzeugung von Niedertemperaturwärme vernichtet. Legendär ist das vor 12 Jahren durchgeführte staatlich geförderte Installationsprogramm für Elektroheizungen in Tschechien, mit dessen Hilfe eine Rechtfertigung für den Bau des AKW Temelin erzeugt werden sollte. Unter den hohen Kosten haben viele tschechische Haushalte bis heute zu kämpfen. Aber auch in Österreich ist der Anteil der E-Heizungen nicht zu vernachlässigen. Der Ersatz dieser besonders schädlichen Heizungsform stellt für die Zukunft daher ein bedeutendes Effizienzsteigerungspotential dar.

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