Kritische Anmerkungen zum Verbund Gasdampfkraftwerksprojekt Mellach

Falsche Standortwahl ohne Abwärmenutzung ist ein Affront gegen den Klimaschutz und gefährdet die Wirtschaftlichkeit

Anbei einige Ergebnisse meiner Berechnungen zum umstrittenen Kraftwerksprojekt in Mellach:

In der Variante ohne Fernwärmeauskopplung würde Mellach pro Jahr (Auslastung von ca. 70%, entspricht der geplanten Produktion laut UVP-Unterlagen) ca. 3.189 GWh Abwärme produzieren und in die Mur abkühlen. Zum Vergleich: der Jahresverbrauch an Fernwärme liegt in Graz derzeit bei etwa 800 GWh. In Mellach soll demnach der vierfache Fernwärmeverbrauch der Stadt in die Mur gekühlt werden!

In der zweiten Variante wird von einer Fernwärmeauskopplung bis 250 MW ausgegangen. Bei voller Nutzung dieser Auskopplung würden 1.533 GWh Fernwärme und 1.930 GWh (ist immer noch mehr als der doppelte Fernwärme-Jahresverbrauch von Graz) ungenutzte Abwärme produziert und in die Mur gekühlt.

In Wirklichkeit könnte jedoch nur ein Bruchteil der produzierten Abwärme genutzt werden, da am Standort Mellach bereits jetzt eine enorme Überkapazität an Abwärme besteht.

Ein Gasdampfkraftwerk (GuD, el. Wirkungsgrad von 59%) stellt eine sehr effiziente und moderne Technologie zur Stromproduktion dar. Das Problem der Anlage in Mellach besteht in der völlig falschen Standortwahl. Durch die fehlende Möglichkeit der Abwärmenutzung werden die Vorteile der modernsten Technologie zunichte gemacht. Die bestehenden alten Anlagen in Mellach erreichen einen höheren Gesamtwirkungsgrad und damit geringere Gesamtemissionen als Mellach neu.

Die Bundesregierung vor kurzem die sog. Klimaverträglichkeitsprüfung beschlossen. Wie ist es möglich, dass ein großes Unternehmen im staatlichen Mehrheitsbesitz ein Projekt realisieren möchte, ohne sich im Mindesten um die energiepolitische und klimapolitische Effizienz zu kümmern? Die Bundesregierung sollte als Haupteigentümer der Verbundgesellschaft eine Klimaverträglichkeitsprüfung unter Berücksichtigung der Möglichkeiten zur KWK anordnen, falls sie im Bereich der Energiepolitik glaubwürdig erscheinen möchte.

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