Stromstrategie der österreichischen E-Wirtschaft: Künstliche Stromverbrauchserhöhung als Programm

Vordringen in den Wärmebereich soll Stromverbrauch ankurbeln

Vor kurzem wurde die Stromstrategie der E-Wirtschaft bis 2030 präsentiert. Da die Regierung seit Jahren keine eigenen Akzente in der Energiepolitik setzt und dieses Feld gänzlich  den Stromkonzernen und Bauunternehmen überlässt, sollte man diesen Plänen verstärkte Aufmerksamkeit schenken.

Es hat sich inzwischen bis zu den Chefetagen der Energiekonzerne durchgesprochen, dass  der Energieverbrauch infolge der (leider nach wie vor unzureichenden) Effizienzmaßnahmen im Sinken begriffen ist. Dies nimmt die E-Wirtschaft allerdings nicht zum Anlass, über wirksame Einsparungspotentiale und Effizienzsteigerung nachzudenken, sondern plant im Gegenteil eine dramatische Aufstockung des Stromanteils am Gesamtenergieverbrauch. So soll die Stromproduktion bis zum Jahr 2030 um 20 TWh gesteigert werden. Laut nicht näher beschriebenen Studien soll der Verbrauchszuwachs 14 TWh betragen, der Rest von 6 TWh soll zur Verringerung der Importe verwendet werden. Mit diesem Ausbau soll der Stromanteil von derzeit 20% auf 33% im Jahr 2030 gesteigert werden.

Viele werden sich fragen, wie dieser gewaltige Ausbau der Produktionskapazität umweltverträglich bewerkstelligt werden soll. Bevor wir uns mit dieser Frage befassen, sollten wir jedoch eine grundlegendere Frage beantworten: Ist dieser Ausbau unbedingt notwendig, ist er eine gute Option oder sollte man vielleicht andere Wege einschlagen? Schon ein kurzer Blick auf die Verbrauchsstatistik zeigt, dass der Stromverbrauch eine stagnierende Tendenz aufweist und sich weitgehend vom Wirtschaftswachstum abkoppelt. Da große Effizienzpotentiale vorhanden sind – so wird leider noch immer zu viel Strom in E-Heizungen und bei der Warmwasserbereitung verschwendet – könnte es sogar zu einem Absinken des Stromverbrauches kommen, so wie beim Gesamtenergieverbrauch. Warum ist also der Ausbau von Produktionskapazitäten erforderlich?

Der Grund liegt ausschließlich in der ehrgeizigen Plänen der E-Wirtschaft, den Stromverbrauch künstlich anzukurbeln und sich damit Anteile am schrumpfenden Energiemarkt auf Kosten anderer Energieträger zu sichern. Geplant ist das massive Vordringen in die Segmente Verkehr und Wärmeversorgung. Beide Bereiche sind problematisch und sollten einer ausführlichen öffentlichen Diskussion unterzogen werden.

Da der Boom bei E-Fahrzeugen bisher weit hinter den Prognosen liegt, ist von diesem Sektor in den nächsten Jahren wohl kein großer Beitrag zu erwarten. Ein viel größeres Problem stellt allerdings das Vordringen in den Wärmemarkt dar. Der Energiebedarf für Heizung/Klimatisierung übersteigt mit 84 TWh den gesamten Stromverbrauch (ca. 60 TWh). Es ist daher leicht möglich, beliebige Strommengen in diesem Markt unterzubringen und damit den Verbrauch zu steigern. Mit diesem künstlich angehobenen Verbrauch werden dann weitere Ausbauprojekte begründet.

Aus energiewirtschaftlicher Sicht kommt die verstärkte Verwendung von elektrischer Energie für Heizzwecke einem Sündefall gleich. Die wertvollste und hochwertigste Energieform wird bei diesem Vorgang völlig abgewertet. Auch wirtschaftlich ergibt eine solche Anwendung keinen Sinn, da Niedertemperaturwärme auf verschiedene Arten viel günstiger erzeugt werden kann.

Im Falle der Realisierung dieser Pläne würden sich massive ökologische und ökonomische Probleme ergeben. So plant die E-Wirtschaft einen Ausbau von 8,5 TWh in Wasserkraftwerken, der Rest auf 20 TWh soll sich auf Windenergie und Photovoltaik aufteilen. Vor allem der Ausbau der Wasserkraft erscheint sehr bedenklich. Vom im Jahre 2008 bestimmten Restpotential von 13 TWh würden dann unter Einrechnung der bereits realisierten Projekte ca. 80% ausgebaut. Wie dies mit dem Schutz der letzten verbliebenen Fließstrecken zu vereinbaren ist, bleibt ein Rätsel. Auch ökonomisch würden sich Nachteile ergeben, da die verbliebenen Standorte ungünstiger sind und daher nur unter einem erhöhten ökonomischen Aufwand ausgebaut werden könnten. Die einzigen Profiteure dieser Entwicklung wären Bauunternehmen und Anlagenbauer. Aber vielleicht haben gerade diese Unternehmensgruppen sehr gewichtig zum Plan „Empowering Austria“ beigetragen.

Mit ihrer Strategie Empowering Austria zeigt die E-Wirtschaft vor allem, dass sie ihr Denken leider nicht modernisiert hat, sondern noch immer in den energiepolitischen Vorstellungen der Nachkriegszeit verhaftet ist. Ungehemmter Ausbau geht über alles, über die Zeit danach machen wir uns keine Gedanken. Wenn die Politik hier nicht bald lenkend eingreift und die Energiepolitik weiterhin der Interessensvertretung der E-Wirtschaft überlässt, so werden wir uns alle bald mit den negativen ökologischen und ökonomischen Folgen dieser verfehlten Strategie konfrontiert sehen.

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